Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein (ORBEA)

Ein ganzheitlicher Ansatz in Sachen Naturschutz

Politischer Naturschutz in Zusammenarbeit mit BUND, Pollichia und NABU

ORBEA – Orni­tholo­gische Beo­bach­tungs­sta­tion Alt­rhein – Ge­grün­det 1960

Förderung der Biodiversität, Schutz der Artenvielfalt und Lebensräumen.
Unsere Schwerpunkte: Natur- & Artenschutz / Naturschutz am Gebäude / Industrienaturschutz /
Habitatsschutz- & pflege / Vögel, Fledermäuse, Insekten, Amphibien

Kennenlernen und Schutz der Vögel

Bereits 1960, in einer Zeit, in der man dem Schutz der einheimischen Vogelwelt und Landschaft noch keinen allzu großen Stellenwert einräumte, hat die Volkshochschule Ludwigshafen, auf Initiative von Franz Stalla (1931-2021), Kurse eingeführt, deren Schwerpunkt auf dem Kennenlernen und dem Schutz der Vögel lag. Seit damals, als das Wort Umweltschutz noch gar nicht erfunden war, wurden über die kommenden Jahrzehnte viele hundert Bürger aus der ganzen Region mit der artenreichen heimischen Vogelwelt vertraut gemacht. Sie lernten sie lieben und haben sich auf vielfältige Art und Weise in der Stadt und in der freien Landschaft oft energisch für deren Schutz eingesetzt.

Die theoretischen Kenntnisse wurden durch Exkursionen in die vogelreichen Altrhein-landschaften gefestigt. Darüber hinaus haben Kursteilnehmer im "Arbeitskreis für Ornithologie und Naturschutz" über viele Jahre die Gelegenheit genutzt, um sich an Pflanzaktionen, an der Vogelberingung und an Bestandserhebungen zu beteiligen.

Die sinnvolle Freizeitgestaltung mit Theorie (Kursabende), Praxis (wissenschaftliche Vogelberingung, Bau von Nisthilfen und Winterfütterungsgeräten usw.), sowie die Beschäftigung mit der Natur bei Exkursionen gilt noch heute als beispielhaft.

Exkursionen

Als Ergänzung zu den Kursen an der VHS Ludwigshafen zum Kennenlernen und dem Schutz der einheimischen Vogelwelt wurden bis heute mehr als 400 Exkursionen am frühen Morgen im Stadtgebiet, vorwiegend aber in den vogelreichsten Gebieten der Umgebung, meist an den Altrheinen, durchgeführt.

Hierbei wurden je nach Jahreszeit und Wetterlage durchschnittlich zwischen 30 und 60 Vogelarten registriert. Die Ergebnisse wurden und werden für Publikationen ausgewertet.

Ornithologische Vogelstation

Bereits in den siebziger Jahren wurde durch eine Initiative der Teilnehmer an den VHS-Kursen über die heimische Vogelwelt am Westrand des Landschaftsschutzgebietes Maudacher Bruch in Eigenhilfe die "Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein" (ORBEA) gebaut. Sie gilt seit Jahrzehnten als Kommunikationszentrum für Vogelkunde und Vogelschutz für unsere Region.

Im Lauf der Jahre wurden auf der Station Lehrgänge und Einzelvorträge für Kindergärten, Schulen, Lehrer VHS-Kursteilnehmer und viele naturkundliche Vereine abgehalten mit ergänzenden Beobachtungsgängen in die Umgebung der Station.

Einmalig in der Region waren die viel besuchten Tage der offenen Tür mit Beringungsvorführungen und Vorträgen. Über fünfundzwanzig Mal wurde - begleitet von wissenschaftlichen Vorträgen - die begehrte "Goldene Nisthöhle der Pfalz" an verdiente Persönlichkeiten im Vogel- und Naturschutz verliehen.

Im Jahr 2008 wurde die ORBEA-Station in die Hände des Stadtjugendamtes übergeben. Sie wird aber von den VHS-Vogelkundlern weiterhin mitgenutzt. Nach dem Tod des Gründers und Initiators Franz Stalla, übernahm Klaus Eisele, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter der Stadt, die Leitung der Station. Herr Eisele ist telefonische unter 0160-9916-4962 oder per E-Mail erreichbar.

Wissenschaftliche Vogelberingung

Seit 1962 haben die Mitarbeiter des "Arbeitskreises für Ornithologie und Naturschutz" unter der Leitung von Franz Stella im Auftrag des Max-Planck-Instituts (Vogelwarte Radolfzell), mehr als 69.000 Vögel in 109 Arten beringt.

Hierunter befanden sich mehr als 30.000 Schwalben, die eines der Hauptuntersuchungs-gebiete waren und wertvolle Ergebnisse brachten.

In diesem Rahmen wurde von den Ludwigshafener Vogelkundlern die wohl größte Kolonie mit Kunstnestern in Deutschland mit 260 Nestern an einem Gebäude eingerichtet und hiermit ein wertvoller Beitrag für die heimische Vogelwelt geleistet.

Entwicklung von Vogelschutzgeräten

Bei den vielfältigen Aktivitäten unserer langjährigen Mitarbeiter — ob es sich hierbei um die Vogelberingung, Schwalbenbetreuung oder Maßnahmen der Winterfütterung handelt — hatten diese immer gute Ideen, um sich die Arbeit zu erleichtern oder Neues zu entwickeln.

So entstanden ein viel beachtetes Winterfutterhaus und unser bewährtes "Winterfutterholz" für Großfütterung in der kalten Jahreszeit. Aber auch an der Weiterentwicklung von künstlichen Schwalbennestern haben wir mitgearbeitet.

Betreuung künstlicher Niststätten

Durch den Einfluss von uns Menschen wurde der Lebensraum der meisten Vogelarten stark eingeschränkt, bzw ging für immer verloren. So sind z. B. im vorderpfälzischen Raum durch die moderne, weitgehend industrialisierte Landwirtschaft viele Brutmöglichkeiten für Fasan, Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche fast gänzlich verschwunden. Dies betrifft nicht nur die Boden- sondern auch die Buschbrüter. Ein Mangel an Baumhöhlen erschwert vor allem kleineren Höhlenbrütern die Aufzucht ihrer Nachkommen.

Hier haben die Mitarbeiter unseres Arbeitskreises durch das Anbringen und die Betreuung von etwa 400 Niststätten für Sperlinge, Meisen, Kleiber, Fliegenschnäpper u. a. einen wertvollen Beitrag für deren Arterhaltung geleistet.

Dem Wegfall von Brutstätten für Schwalben haben wir seit mehr als 40 Jahren entgegengewirkt. Nicht nur in unserer Stadt, sondern auch im näheren Umfeld haben wir ca. 500 künstliche Nester angebracht und auch in Pilotprojekten betreut.

Bestandsaufnahmen

Bei den Bestandsaufnahmen, die begleitend zu unseren seit über 40 Jahren bestehenden Kursen über das Kennenlernen und den Schutz der Vögel an der VHS Ludwigshafen durchgeführt wurden, haben wir von Anfang an großen Wert auf die Registrierung der Vogelarten und deren Häufigkeit gelegt. In diesem Rahmen wurden Tausende von Aufzeichnungen gemacht, die in das von der Wissenschaft viel beachtete Buch "Die Vogelwelt der Stadt Ludwigshafen" eingeflossen sind.

Die bei jeder Exkursion im Stadtgebiet und vor allem in den Rheinauen erstellten eobachtungskarten werden weiterhin gesammelt und ausgewertet.

Pflanzaktionen

Um dem Verlust von Lebensräumen für unsere Vogelwelt entgegenzuwirken, hat der "Vogelkundliche Arbeitskreis der Volkshochschule Ludwigshafen" im Laufe seines Bestehens in Zusammenarbeit mit dem Bereich "Umwelt, Grünflächen und Friedhöfe" der Stadt Ludwigshafen viele Pflanzaktionen durchgeführt. Diese fanden unter anderem im Bereich der Vogelstation, am Südrand des Maudacher Bruches, im Ebertpark und "am Hochzeitswäldchen" statt.

Seit 1985 verwandelten wir am Nordrand der Stadt den Bereich des "Schleusenlochs" bei acht Pflanzungen von einer Ackerlandschaft in ein eigenständiges Biotop, das inzwischen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

Dank der Spendenbereitschaft von Firmen, Institutionen, Vereinen und Privatpersonen, konnten Hunderte einheimischer Bäume und Sträucher gepflanzt werden, die nicht nur der Vogelwelt nutzen. An den Pflanzaktionen beteiligten sich jeweils bis zu 60 Helferinnen und Helfer.

Städtepertnerschaft

Noch in der Zeit "vor der Wende" gingen vom renommierten OVD (Ornithologischer Verein Dessau) - der "Partnerstadt von Ludwigshafen" — erste Bestrebungen aus, mit den Ludwigshafener Vogelkundlern Kontakte aufzunehmen.

Ab 1989 begann ein reger Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Was der NABU begonnen hat wird von den ORBEA-Leuten bis heute gehegt und gepflegt.

Viele gegenseitige Besuche in Verbindung mit Exkursionen in vogelreiche Gebiete Ost-und Westdeutschlands wurden durchgeführt, und damit unsere Verbundenheit gefördert und gefestigt. Größere vogelkundliche Reisen nach Frankreich, Österreich, Ungarn, den Niederlanden und zum Vogelzug nach Südspanien wurden gemeinsam unternommen. Durch diese Aktivitäten entstanden viele feste persönliche Beziehungen und Freundschaften, die bleiben werden.

Öffentlichkeitsarbeit

Von Anfang an war es unser Bestreben, möglichst viele unserer Mitbürger auf den Rückgang der Vogelwelt und die negativen Veränderungen ihres Lebensraumes aufmerksam zu machen.

Durch unsere guten Kontakte zu den Tageszeitungen und anderen Publikationsorganen erhielten wir vielfach Gelegenheit, örtlichen Veränderungen entgegen zu treten und auf langfristige Trends einzuwirken.

Unsere Erfahrungen und unser Rat sind bei vielen Haus-, Hof- und Gartenbesitzern und in den Kleingartenanlagen der Stadt gefragt.

Unser Stammteam besteht aktuell aus 10 Personen, Sie finden uns im Maudacher Bruch, genau hier. Am besten kommen Sie zu Fuß oder mit dem Rad. Begrenzte Parkmöglichkeiten fürs Auto gibt's am Eingang des Schützenvereins. Link zu den Geo-Koordinaten (in Google Maps).

Schützen heißt Nützen.

Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten.